Tao Te Ching Chapter 81 – 显质 (道德经 第81章)

Tao Te Ching Kapitel 81 – Die Manifestation des Wesens (道德经 第81章)

Paul Peng

Tao Te King – Kapitel 81: Die Qualität des Wahrseins

道德经 第八十一章 · 显质 · Lao Tzu · Zweisprachige Ausgabe mit klassischen Kommentaren

📖 Taoistische Schrift 🖋 Lao Tzu 🔲 Kapitel 81 von 81 🌐 Englisch & Chinesisch

Original Text — 原文

信言不美,美言不信。善者不辩,辩者不善。知者不博,博者不知。圣人不积,既以为人己愈有,既以与人己愈多。天之道,利而不害;圣人之道,为而不争。

English Translation — James Legge

Aufrichtige Worte sind nicht schön; schöne Worte sind nicht aufrichtig. Diejenigen, die im Dao geübt sind, streiten nicht darüber; die Streitlustigen sind nicht darin geübt. Diejenigen, die das Dao kennen, sind nicht umfassend gelehrt; die umfassend Gelehrten kennen es nicht.

Der Weise sammelt nicht für sich selbst an. Je mehr er für andere aufwendet, desto mehr besitzt er selbst; je mehr er anderen gibt, desto mehr hat er selbst. Wie in Kapitel 80 gezeigt, braucht das ideale Leben nichts über sich selbst hinaus – und der Weise, der alles weggibt, findet sich reicher als diejenigen, die horten.

Der Weg des Himmels ist es, anderen zu nützen und nicht zu verletzen. Der Weg des Weisen ist es, zu handeln, aber nicht zu streiten. Dieses letzte Kapitel schließt den Kreis, der in Kapitel 1 geöffnet wurde: das Dao, das nicht benannt werden kann, die Wahrheit, die nicht geschmückt werden kann – beides weist auf dieselbe wortlose Realität hin.

✦ Schlüsselerkenntnis

Kapitel 81 ist das letzte Kapitel des Tao Te King und schließt mit drei Paradoxa, die den gesamten Text zusammenfassen. Aufrichtige Worte sind schlicht; schöne Worte sind falsch. Die wahrhaft Guten streiten nicht; die Streitlustigen sind nicht wahrhaft gut. Die wahrhaft Wissenden sind nicht umfassend gelehrt; die umfassend Gelehrten wissen nicht wahrhaft. Dann kommt das Geheimnis des Weisen: Er sammelt nicht an, und so hat er umso mehr, je mehr er gibt. Das Kapitel endet mit zwei parallelen Zeilen – der Weg des Himmels nützt, ohne zu schaden; der Weg des Weisen handelt, ohne zu streiten. Diese beiden Zeilen sind das letzte Wort des Tao Te King.


Classical Commentaries — 古典注释

王弼注 Wang Bis Kommentar

信言不美,实在质也。美言不信。本在朴也。善者不辩,辩者不善。知者不博,极在一也。博者不知。圣人不积,无私自有,唯善是与,任物而已。既以为人己愈有,物所尊也。既以与人己愈多。物所归也。天之道,利而不害;动常生成之也。圣人之道,为而不争。顺天之利不相伤也。

Wang Bi schließt: Aufrichtige Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht aufrichtig. Die Guten streiten nicht, die Streitlustigen sind nicht gut. Der Weise sammelt nicht an – je mehr er anderen gibt, desto mehr hat er. Der Weg des Himmels nützt, ohne zu schaden; der Weg des Weisen handelt, ohne zu streiten.

河上公注 Heshang Gongs Kommentar

信言不美,信者,如其实也。不美者,朴且质也。美言不信。美言者,滋美之华辞。不信者,饰伪多空虚也。善者不辩,善者,以道修身也。不绵文也。辩者不善。辩者,谓巧言也。不善者,舌致患也。知者不博,知者,谓知道之士。不博者,守一元也。博者不知。博者,多见闻也。不知者,失要真也。刣人不积,刣人积德不积财,有德以教愚,有财以与贫也。既以为人己愈有,既以为人施设德化,己愈有德。既以与人己愈多。既以财赂布施与人,而财益多,如日月之光,无有尽时。天之道,利而不害;天生万物,爱育之,令长大,无所伤害也。刣人之道,为而不争。刣人法天所施为,化成事就,不与下争功名,故能全其圣功也。

Heshang Gong schließt: Wahre Worte sind einfach und schmucklos; schöne Worte sind trügerisch. Der Weise sammelt keinen Reichtum an, sondern Tugend – er lehrt die Unwissenden, gibt den Armen. Je mehr er gibt, desto mehr hat er, wie die Sonne und der Mond, deren Licht niemals endet.


Primärquellen: Lao Tzu, Tao Te King (道德经), übers. James Legge (1891). Kommentare: Wang Bi (王弼, 226–249 n. Chr.); Heshang Gong (河上公, Han-Dynastie).
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Paul Peng — Zhengyi Taoist Priest, Longhu Mountain

About the Author

Paul Peng

Paul Peng is a Zhengyi Taoist priest from Longhu Mountain, Jiangxi — the ancestral home of the Celestial Masters' tradition. Ordained at 25 after a dream from the Celestial Master, he has practiced for 25 years under Master Zeng Guangliang. He is the curator of this store, which is officially authorized by Tianshi Fu. All items are consecrated at the temple by the resident priest team.

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