Tao Te Ching Chapter 48 – 忘知 (道德經 第48章)

Tao Te Ching Kapitel 48 – Wissen vergessen (道德經 第48章)

Paul Peng

Tao Te Ching — Kapitel 48: Wissen vergessen

道德經 第四十八章 · 忘知 · Lao Tzu · Zweisprachige Ausgabe mit klassischen Kommentaren

📖 Taoistische Schrift 🖋 Lao Tzu 🔢 Kapitel 48 von 81 🌐 Englisch & Chinesisch

Originaltext — 原文

為學日益,為道日損。損之又損,以至於無為。無為而無不為。取天下常以無事,及其有事,不足以取天下。

Englische Übersetzung — James Legge

Wer sich dem Lernen widmet, sucht von Tag zu Tag sein Wissen zu mehren; wer sich dem Dao widmet, sucht von Tag zu Tag sein Tun zu mindern.

Er mindert es und mindert es noch einmal, bis er dahin gelangt, nichts absichtlich zu tun. Hat er diesen Punkt des Nicht-Handelns erreicht, gibt es nichts, was er nicht tut.

Wer alles unter dem Himmel zu eigen bekommt, tut dies, indem er sich keine Mühe damit macht, dieses Ziel zu erreichen. Wie in Kapitel 37 gezeigt, tut das Dao nichts, doch nichts bleibt ungetan – und die Welt ordnet sich von selbst.

✦ Schlüsselerkenntnis

Kapitel 48 zieht den schärfsten Kontrast im Tao Te Ching zwischen zwei Wegen: dem Lernen und dem Dao. Lernen sammelt an – jeder Tag fügt mehr hinzu. Das Dao subtrahiert – jeder Tag entfernt mehr. Der Subtraktionsprozess wird fortgesetzt, bis das Nicht-Handeln (wu wei 無為) erreicht ist. An diesem Punkt bleibt nichts ungetan. Die Welt wird nicht durch Anstrengung und Einmischung gewonnen, sondern durch die Freiheit davon. Einmischung macht unfähig zu regieren.


Klassische Kommentare — 古典注释

王弼注 Wang Bis Kommentar

為學日益,務欲進其所能,益其所習。為道日損。務欲反虛無也。損之又損,以至於無為。無為而無不為。有為則有所失,故無為乃無所不為也。取天下常以無事,動常因也。及其有事,自己造也。不足以取天下。失統本也。

Wang Bi kontrastiert das Lernen (das täglich zunimmt) mit dem Dao (das täglich abnimmt). Abnahme führt zu Nicht-Handeln, und Nicht-Handeln lässt nichts ungetan. Die Welt wird durch Freiheit von Einmischung gewonnen – Einmischung macht unfähig, sie zu gewinnen.

河上公注 Heshang Gongs Kommentar

為學日益,學謂政教禮樂之學也。日益者,情欲文飾日以益多。為道日損。道謂之自然之道也。日損者,情欲文飾日以消損。損之又損,損情欲也。又損之,所以漸去。以至於無為,當恰淡如嬰兒,無所造為也。無為而無不為。情欲斷絕,德於道合,則無所不施,無所不為也。取天下常以無事,取,治也。治天下當以無事,不當以勞煩也。及其有事,則政教煩,民不安,故不足以治天下也。

Heshang Gong unterscheidet weltliches Lernen vom Dao. Lernen vermehrt täglich Begierden und Verzierungen; das Dao reduziert sie. Die Reduzierung führt zu Nicht-Handeln, wie bei einem unschuldigen Säugling. Wenn die Begierde endet, vereint sich die Tugend mit dem Dao und alles wird vollendet.


Primärquellen: Lao Tzu, Tao Te Ching (道德經), übers. James Legge (1891). Kommentare: Wang Bi (王弼, 226–249 n. Chr.); Heshang Gong (河上公, Han-Dynastie).
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Paul Peng — Zhengyi Taoist Priest, Longhu Mountain

About the Author

Paul Peng

Paul Peng is a Zhengyi Taoist priest from Longhu Mountain, Jiangxi — the ancestral home of the Celestial Masters' tradition. Ordained at 25 after a dream from the Celestial Master, he has practiced for 25 years under Master Zeng Guangliang. He is the curator of this store, which is officially authorized by Tianshi Fu. All items are consecrated at the temple by the resident priest team.

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